Frankfurter Allgemeine, 12. April 2003


KUNST, STRIP UND EIN HAUCH VON VARIETÉ

Für die Präsentation seines neuen Albums „The Golden Age Of Grotesque“, das Mitte Mai auf den Markt kommt, hat Manson bewusst Berlin als Station neben Paris und London ausgewählt.

Im Foyer spricht er über seine eigenen Aquarelle und zeigt die morbide faszinierenden Cover-Porträts, die der österreichische Künstler Gottfried Helnwein von ihm gemacht hat. Auf den Fotos trägt der Musiker Micky-Maus-Ohren und schafft es, sogar damit düster auszusehen. Dazu passt eine Performance, bei der Kinder in faschistisch wirkender Kluft mit Maus-Ohren und verbundenen Gesichtern durch das Theater marschieren. Manson sucht in seiner Kunst den Tanz auf dem Vulkan.

12. April 2003 So genannte Schockrocker sind oft ganz anders als man denkt. Das hat Ozzy Osbourne als besorgter Familienvater in seiner MTV-Show gezeigt, und auch bei Marilyn Manson ist es nicht anders. Häufig wurden die brachialen Metalklänge des düster geschminkten amerikanischen Musikers als Ansporn zur Gewalt interpretiert. Aber das stimmt so nicht, wie sich am Freitagabend in der Berliner Volksbühne wieder einmal zeigt. Manson ist eher geübter Provokateur und Gesamtkunstwerk, als einfach jemand, mit dem man seine Eltern schockiert.

Für die Präsentation seines neuen Albums „The Golden Age Of Grotesque“, das Mitte Mai auf den Markt kommt, hat Manson bewusst Berlin als Station neben Paris und London ausgewählt. Kabarett und Kunst der 30er Jahre haben es ihm angetan. „Berlin hat mich immer auf so viele Arten inspiriert“, sagt er dem Publikum in der ausverkauften Volksbühne. Als Tribut trägt er roten Anzug und Zylinder, ganz der Conferencier. An den Füßen stecken mörderische Plateauschuhe, in einem Auge leuchtet die weiße Kontaktlinse, was wiederum ganz nach Manson aussieht.

Eigene Bilder besprochen

Im Foyer spricht er über seine eigenen Aquarelle und zeigt die morbide faszinierenden Cover-Porträts, die der österreichische Künstler Gottfried Helnwein von ihm gemacht hat. Auf den Fotos trägt der Musiker Micky-Maus-Ohren und schafft es, sogar damit düster auszusehen. Dazu passt eine Performance, bei der Kinder in faschistisch wirkender Kluft mit Maus-Ohren und verbundenen Gesichtern durch das Theater marschieren. Manson sucht in seiner Kunst den Tanz auf dem Vulkan.

Zur Einstimmung wird auf der Leinwand jener Ausschnitt aus „Bowling For Columbine“ gezeigt, der viele nachdenklich gemacht hat. Oft wurde dem Sänger vorgeworfen, er sei mit seinen obszönen Texten und seiner Musik mit schuld am Schulmassaker von Littleton 1999. In Michael Moores oscargekrönter Dokumentation sagt Manson schlicht, niemand habe den Jugendlichen zugehört. Der Mann, der sich nach Marilyn Monroe und dem Mörder Charles Manson benannt hat, ist ein sanftes Wesen, ist im Film zu spüren. Genauso ist es in Berlin. Auch seine Fans, mit dunklen Kutten und im Gruftilook, wirken völlig friedlich.

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