Frankfurter Allgemeine, 29. October 1988
EVIDENTER ZUFALL
moen
Hinter dem Dom hatte kürzlich der Maler Gottfried Helnwein zur Erinnerung
an die sogenannte Reichskristallnacht siebzehn bleich geschminkte Riesenportaits
von Kinderköpfen aufgestellt.
Die von Maler beabsichtigte "rassische" Ähnlichkeit der Kinder
mit jenen Bevölkerungsgruppen, die damals von den Nazis verfolgt wurden,
besass eine vergleichbare Evidenz des Zufalls wie die Geistertöne aus
Graz.
Unbekannte fühlten sich angesprochen.
Sie haben jetzt die Bilder mit Messern traktiert und den abgebildeten Kindern
buchstäblich die Kehle duchgeschnitten. Erst durch die Zerstörung
seines Werks nimmt Helnweins Aussage Gestalt an.
Bill Fontanas Mikrophone hätten in dieser Kölner Nacht das aufzeichnen
können, was sie in Graz vergeblich suchten.
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http://www.helnwein.com/presse/selected_articles/artikel_193.html